Nachhaltigkeitsbericht 2019

Menschenrechte Mai 2020

Das Dilemma der Investition in soziale und ökologische Sanierungsmaßnahmen

In Zeiten des europaweiten Kohleausstiegs und des globalen Klimaaktivismus ist es unerlässlich, sicherzustellen und zu zeigen, dass die verbleibende Kohle, die hierher kommt, verantwortungsbewusst geliefert wird.

Wie viele wissen, beziehen wir diese Rohstoffe hauptsächlich aus Kolumbien und Russland, zwei Ländern, welche von den kumulativen Auswirkungen der Bergbauaktivitäten betroffen sind. Hunderte von Menschen, hauptsächlich aus ländlichen Regionen, mit limitierten Zugang zu wirksamen Abhilfemaßnahmen, sind betroffen.

Im September 2019 besuchten wir, als Teil unserer Bettercoal-Mission, die Stadt Kiselovsk in der Kuzbassregion. Nach Angaben der NGO Ecodefense ist diese Stadt am stärksten vom Bergbau betroffen. Auch wenn unser Besuch nur von kurzer Dauer war, genügte es zu erkennen, wie nah die Häuser an den Bergbaubetrieben stehen. Noch aufschlussreicher war der Besuch des Dorfes Tschuwka, wo die Einheimischen seit Jahren mit mehreren lokalen Bergbaubetreibern zu kämpfen haben, deren gemeinschaftliche Beziehungen ziemlich unterentwickelt schienen.

Als Ergebnis stehen wir nun in Kontakt mit lokalen Beteiligten mit dem Ziel, die Transformation unvermeidlicher Neuansiedlungsaktivitäten mit Programmen für nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Darüber hinaus suchen wir nach Möglichkeiten, der Natur ehemalige Bergbaugebiete zurückzugeben, die seit den neunziger Jahren aufgegeben wurden, und in neue Wälder und Weideflächen umzuwandeln. Wir folgen dabei den Kreislaufwirtschaftsansätzen, die dann sowohl der Umwelt als auch den lokalen Gemeinschaften zugutekämen.

Von außen betrachtet, klingt alles ganz gut, oder doch nicht?

Auf der einen Seite ist es in der Tat großartig, solche Entwicklungen zu sehen, Anzeichen für ein wachsendes Bewusstsein und Interesse des Unternehmens, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Auf der anderen Seite bringt es uns leider in ein praktisches Dilemma, mit dem jedes Unternehmen wie wir konfrontiert ist, wenn es um solche Themen geht.

Wir stellten fest, dass die schwerwiegendsten und anhaltendsten Auswirkungen und die größten Sanierungsmöglichkeiten in der Nähe von Betrieben lagen, die weder direkt mit Bettercoal noch mit uns in Kontakt stehen. Ohne starke kommerzielle oder regulatorische Anreize, neigen Unternehmen dazu, sich auf die Einhaltung von Praktiken zu verlassen, die auf inkonsistenten Richtlinien oder veralteten Regeln basieren.

Laut TDI Sustainability, einem internationalen Beratungsunternehmen, das wir gebeten haben, die wichtigsten Quellen für ökologische und soziale Auswirkungen in der Region Kuzbass zu bewerten, ist dies in mehreren Gesetzeslücken sichtbar.

Hier ein Beispiel: „Das russische Gesetz besagt, dass erschöpftes Bergbauland unter Verwendung des ursprünglichen Mutterbodens wiederhergestellt werden sollte, der zu Beginn des Betriebs vom Standort entfernt wurde. In vielen Fällen sind die Minen in Kuzbass 50 Jahre oder länger in Betrieb, was bedeutet, dass das mikrobielle Leben im ursprünglichen Mutterboden bis zum Ende der Produktionsperiode einer Mine längst gestorben ist und dass frischer Mutterboden von anderswo eine bessere Wahl für die Wiederherstellung der Umwelt treffen würde.“ Wenn die Bergbauunternehmen frischen Mutterboden verwenden, handeln sie nicht gesetzeskonform und ziehen es daher vor, die Gebiete nicht wiederherzustellen.

Das ist unser Dilemma. Wenn Sie sich weiter unten in der Wertschöpfungskette befinden, sehen Sie die auftretenden Auswirkungen, können sie jedoch nicht direkt abmildern. Selbst wenn Sie möchten, ist es sehr schwierig, in Projekte oder Initiativen zu investieren, die in der Lage sind, diese kumulativen Auswirkungen zu bewältigen, da die Stakeholder, die Sie an Bord haben müssen, nicht immer auf derselben Seite stehen. Deshalb müssen wir, wenn wir als Gesellschaft eine Politik des Ausstiegs aus der Kohle unterstützen und uns für marktbasierte Instrumente einsetzen, um den notwendigen globalen Übergang zu beschleunigen, auch andere Gesetzesänderungen unterstützen. Die Gesetzesänderungen, welche darauf abzielen, die verbleibenden notwendigen Bergbauaktivitäten vollständig zu verhindern oder zu kompensieren, um erhebliche Schäden für die Umwelt und die Menschen zu verhindern oder auszugleichen. Beispielsweise wird derzeit in Russland die Verpflichtung zur Wiederherstellung von Teilen verlassener Bergbaugebiete als Voraussetzung für die Erlangung neuer Bergbaugenehmigungen diskutiert. Ein solcher Legislativvorschlag könnte in der Tat dazu beitragen, dieses Dilemma zu lösen, indem er die Voraussetzungen für einen neuen Markt für Renaturierung und Wiederaufforstung schafft.

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