Integrität

83 %

der Mitarbeiter absolvierten im Jahr 2017 das grundlegende Compliance-Training

3

neue Fälle mutmaßlicher Korruption intern bei Uniper im Jahr 2017 gemeldet1)

Verantwortungsvoll führen

Das Richtige tun. Was so einfach klingt, stellt viele Unternehmen vor Herausforderungen. Nicht das Richtige zu tun, kann Stakeholdern, dem Unternehmen selbst und seinem Image erheblich schaden. Deshalb ist es wichtig, Regel- und Gesetzesverstöße systematisch zu verhindern und zu sanktionieren. Nur so können wir glaubhaft machen, dass wir unser Unternehmen verantwortungsvoll führen und eine langfristige Wertschöpfung anstreben. Compliance ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Integrität und Kultur von Uniper.

Wir unterstützen Transparenz, sowohl zwischen als auch innerhalb von Institutionen, um Korruption zu vermeiden und eine effektivere öffentliche Verwaltung zu fördern. In Übereinstimmung mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte schützen und achten wir die Menschenrechte – einschließlich des Verbots von Kinder- und Zwangsarbeit – in allen unseren Geschäftsaktivitäten. Das Gleiche erwarten wir auch von unseren Geschäftspartnern.

Wir haben langfristige Verpflichtungen für das Thema Integrität festgelegt:

  • Keine Toleranz gegenüber Zwangsarbeit, Kinderarbeit, moderner Sklaverei, Menschenhandel
  • Weitere Stärkung der Compliance-Kultur und Schutz des Unternehmens vor Korruptionsrisiken
  • Unterstützung des Aufbaus von wirksamen, rechenschaftspflichtigen und transparenten Institutionen auf allen Ebenen

Mit diesen Verpflichtungen unterstützen wir SDG 8 und 16:

Das wesentliche Thema Integrität umfasst die vier Unterthemen: „Compliance und Governance“, „Menschenrechte entlang unserer Wertschöpfungskette“, „transparenter Handel“ und „Transparenz in Interessenvertretungen“.

Compliance und Governance

Grundlage von Compliance ist gute Unternehmensführung. Sie hat bei Uniper höchste Priorität und basiert auf einer engen und effizienten Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Das Prinzip guter Unternehmensführung leitet alle unsere Entscheidungen und ermöglicht uns, Erfolg auf verantwortungsbewusste und nachhaltige Weise zu erreichen. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die Ziele des Deutschen Corporate Governance Kodex, eine verantwortungsvolle und transparente Unternehmensführung und -kontrolle zu fördern, die auf eine langfristige Steigerung des Unternehmenswertes gerichtet ist.

Um unsere Compliance-Risiken zu mindern, haben wir am 1. Januar 2016 ein Compliance-Management-System (CMS) eingeführt. Compliance-Risiken sind definiert als wesentliche rechtliche Risiken, hohe Geldstrafen2) und erhebliche Reputationsschäden für die gesamte Uniper-Gruppe, deren Organe und leitende Angestellte, die sich aus Fehlverhalten und Verstößen gegen Gesetze und Vorschriften ergeben. Sie können sowohl von Uniper-Mitarbeitern verursacht werden als auch von Dritten, die für Uniper tätig sind.

Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Maßnahmen und Rechtsbereiche für den Uniper-Konzern von besonderer Relevanz (Compliance-Themen):

  1. Anti-Korruption
  2. Geldwäscheprävention
  3. Kartellrechtsprävention
  4. Kapitalmarktrecht/Insiderhandel

Das CMS formuliert einheitliche Compliance-Standards, die unsere spezifischen Compliance-Risiken berücksichtigen. Wir halten das CMS für angemessen und effektiv, wenn es in der Lage ist, Compliance-Risiken zu erkennen und Verstöße mit hinreichender Sicherheit zu verhindern. Das CMS beinhaltet auch die Meldung bereits aufgetretener Compliance-Verstöße, sodass notwendige Gegenmaßnahmen und Verbesserungen am CMS umgesetzt werden können. Der Vorstand hat einen Chief Compliance Officer ernannt, der dem Vorstandsvorsitzenden, den weiteren Vorstandsmitgliedern und dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates unterstellt ist. Der Chief Compliance Officer ist für das konzernweite CMS verantwortlich und wird vom Senior Vice President Compliance & Regulation unterstützt.

Integrität vermitteln

Integrität und rechtmäßiges Verhalten sind unverzichtbare Grundvoraussetzungen unserer geschäftlichen Aktivitäten. Ihre Grundlage ist der vom Vorstand beschlossene Verhaltenskodex („Code of Conduct“) in letzter Fassung von Oktober 2017. Dieser normiert die Bindung aller Mitarbeiter in allen Konzerngesellschaften an die gesetzlichen Vorschriften und die internen Richtlinien. Vorstand und Führungskräfte haben insofern eine Vorbildfunktion und sind dieser besonders verpflichtet.

Compliance-Verpflichtung des Vorstands (in Englisch)

Der Verhaltenskodex legt Grundsätze für den Umgang miteinander, mit Geschäftspartnern, Dritten und staatlichen Institutionen fest. Er spiegelt Gesetze zur Bekämpfung von Korruption, Geldwäsche, Kartellrechtverstößen und Terrorismusfinanzierung wider. Der Kodex umfasst zudem Aspekte wie die Einhaltung internationaler Sanktionen, den Umgang mit Geschenken und Bewirtungen, die Einbindung von Vermittlern und die Auswahl von Lieferanten und Dienstleistern. Andere Regeln betreffen unter anderem die Vermeidung von Interessenkonflikten und den Umgang mit Informationen, Eigentum und Ressourcen des Unternehmens.

Unsere Richtlinien und Verfahren im Bereich Compliance stellen sicher, dass die zuständigen Compliance-Beauftragten und unser Chief Compliance Officer die gemeldeten Verstöße angemessen untersuchen, bewerten und abstellen. Über Verstöße gegen den Verhaltenskodex kann auch anonym, zum Beispiel durch eine Whistleblower-Meldung, informiert werden. Verstöße können zu Disziplinarmaßnahmen und Kündigungen führen.

Wir müssen stets allen gesetzlichen Anforderungen nachkommen. Wenn jedoch unser Kodex höhere Maßstäbe als die geltenden Gesetze setzt, halten wir uns an den Kodex.

Auszug aus dem Uniper Verhaltenskodex (2017)

Wir verpflichten unsere Lieferanten zur Einhaltung aller Vorgaben unseres Lieferantenkodex. Der Verhaltenskodex und weitere Informationen zu unserem CMS sind online abrufbar.

Auch wenn Dritte dem Verhaltenskodex nicht unterliegen, verfolgen wir das Ziel, möglichst nur mit Partnern zusammenzuarbeiten, die vergleichbare Grundsätze befolgen.

In seiner neuen Fassung erläutert der Verhaltenskodex auch Korruptionsrisiken und gibt Hilfestellung, um sie zu adressieren. Darüber hinaus führt er neue Regeln für Geschenke und Bewirtungen ein, die internationale Rechtsnormen widerspiegeln und eine Vielzahl von Geschäftssituationen berücksichtigen. Zusätzliche Materialien helfen den Mitarbeitern, die Richtlinien zu verstehen und auf verschiedene Geschäftssituationen anzuwenden.

Wie in den Vorjahren wurden im Dezember 2017 konzernweite Mitarbeiterschulungen über die Grundprinzipien des Verhaltenskodex und deren Anwendung durchgeführt. Darüber hinaus erhielten Mitarbeiter aus Funktionsbereichen, die einem hohen Korruptionsrisiko ausgesetzt sind, Schulungen, die auf das jeweilige Risiko ihrer speziellen Funktionen zugeschnitten sind.

Im ersten Quartal 2017 hat Uniper eine vierteljährliche Compliance-Berichterstattung eingeführt. Ziel ist es, die Leistung des Compliance-Monitoring-Systems noch besser zu überwachen.

Im Jahr 2017 haben wir 28 Compliance-Berichte entgegengenommen und gemäß unseren Unternehmensrichtlinien bearbeitet. Es gab neun Berichte über Betrug, drei über Korruption, vier über Interessenkonflikte und zwölf in der Kategorie „Andere“. Alle Meldungen betrafen Geldbeträge, die unterhalb der Schwelle liegen, ab der wir von „wesentlichen“ Compliance- und Rechtsrisiken sprechen. Alle Fälle wurden in Übereinstimmung mit unserer Compliance-Richtlinie untersucht und gemeldet.

Erhaltene und bearbeitete Compliance-Meldungen (2017)

2017 2016
28 25

 

Im Jahr 2017 gab es keine nennenswerten Bußgelder2) für Verstöße gegen das Umweltrecht oder für Rechtsstreitigkeiten, die mit den Themen Gesundheit und Sicherheit in Zusammenhang stehen.

2018 hat Uniper eine neue Konzernrichtlinie eingeführt: „Kenne Deine Vertragspartei“ („Know-Your-Counterparty“). Sie erweitert bestehende Prozesse zur Ermittlung und Weitergabe detaillierter Compliance-Risiken im Zusammenhang mit neuen Vertragspartnern – unabhängig davon, wo diese sich befinden. Ziel ist es, bei Vertragspartnern Risiken wie etwa Korruption, Geldwäsche, schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen und Terrorismusfinanzierung aufzudecken, bevor Uniper eine verbindliche Geschäftsbeziehung mit ihnen eingeht. Eine solche Aktualisierung der Richtlinien war erforderlich, um uns vor den wichtigsten Compliance-Risiken zu schützen und gleichzeitig eine zügige Bearbeitung in unseren Geschäftsabläufen sicherzustellen. Besonders entscheidend ist dies für unseren Rohstoffhandel, der einen wesentlichen Teil zu unserem Geschäft beiträgt. Im Jahr 2017 wurden 437 Vertragspartner einer Due-Diligence-Prüfung unterzogen.

Parallel dazu führen wir mit der geplanten „Counterparty“-Geschäftsanweisung durch den Bereich HSSE & Sustainability (Gesundheit, Arbeitsschutz, Sicherheit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit) einen konzernweiten Teilprozess ein. Damit sollen die wichtigsten ESG-Risiken (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) aller potentiellen Gegenparteien, Vermittler und Geschäftspartner identifiziert und gemeldet werden, bevor Geschäftsbeziehungen zustandekommen. Das neue Verfahren zur Einhaltung der gebotenen Sorgfalt im Bereich ESG sieht strengere Kontrollen für unsere Geschäftspartner vor – hinsichtlich potentieller Verstöße gegen die Menschenrechte und negativer Auswirkungen auf die Umwelt.

Der Prozess stimmt überein mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (2011) sowie der neuesten Version des OECD-Leitfadens „Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas“ (2016).
Im Jahr 2017 führte der Konzern spezifische nachhaltigkeitsbezogene Bewertungen für geplante Projekte in Spanien und Pakistan durch. 2018 wurden solche Ad-hoc-Bewertungen durchgeführt, bevor neue langfristige Verträge über die Beschaffung von Gas ausgehandelt wurden.

Korruption und Bestechung

Korruption und Bestechung fördern Kriminalität und soziale Ungerechtigkeit. Halten sich Mitarbeiter nicht an die Gesetze und Unternehmensrichtlinien zur Korruptionsbekämpfung, kann dies nicht nur für die betroffenen Personen strafrechtliche und zivilrechtliche Folgen haben, sondern auch für die jeweilige Konzerngesellschaft, ihre Vorstände und leitenden Angestellten – mit möglichen nachteiligen Auswirkungen auf die Reputation von Uniper.

Die Beteiligung an jeglicher Art von Korruption, sei es bei Amts-und Mandatsträgern oder im privaten Sektor, stellt einen Verstoß gegen den Uniper-Verhaltenskodex dar. Es ist den Mitarbeitern untersagt, etwas von Wert (z.B. Geld, Geschenke, Arbeitsangebote oder andere Vergünstigungen) anzubieten, zu versprechen oder herauszugeben, um Geschäfte zu machen, eine Handlung zu beeinflussen oder einen anderen Vorteil zu erlangen. Dies gilt insbesondere gegenüber Amts- und Mandatsträgern. Es ist ebenso verboten, dies indirekt über einen Ehepartner, Partner, Verwandten oder Freund zu tun.

Bereits im Oktober 2016 hat Uniper eine konzernweite Compliane-Risikobewertung (Compliance Risk Assessment – CRA) aller Geschäftsfunktionen durchgeführt. Korruption stellte im Rahmen des CRA einen Risikobereich dar. Im Jahr 2017 wurde das Ergebnis intern an die Funktionsbereiche kommuniziert. Als Antwort darauf wurden entsprechende Maßnahmen ergriffen. Die Ergebnisse des CRA haben wir auch bei der Entwicklung des neuen Verhaltenskodex berücksichtigt, der im Oktober 2017 in Kraft trat.

Hochkarätige Compliance-Verstöße, die in anderen Unternehmen aufgetreten sind, zeigen, dass Geschäftsbeziehungen mit Zwischenhändlern – einschließlich aller Arten von Vermittlern, Beratern oder Vertretern – ein erhöhtes Risiko für Korruption und Bestechung bergen. Aus diesem Grund wenden wir für alle derartigen Kontakte die Konzernrichtlinie „Intermediary Agreements“ an. So können wir verhindern, dass Vermittlungsgebühren oder -provisionen im Namen von Uniper für illegale Zahlungen verwendet werden.

Im Jahr 2017 wurden intern drei neue mutmaßliche Korruptionsfälle gemeldet. Zwei davon konnten wir abschließen, einer ist noch offen. Zum Jahresende 2017 standen aufgrund von zwei noch offenen Fällen aus dem Jahr 2016 insgesamt drei mutmaßliche Korruptionsfälle zur Untersuchung an. Alle Fälle wurden oder werden derzeit untersucht.

Verantwortung für unsere Wertschöpfungskette

Wir betreiben globalen Rohstoffhandel und bieten Beratungsdienstleistungen zur Entwicklung neuer Energie- und Infrastrukturprojekte an. Größte Aufmerksamkeit widmen wir daher den Risiken, die mit Korruption, Geldwäsche und internationalen Sanktionen im Zusammenhang stehen. Vor diesem Hintergrund unterziehen wir Vertragspartner einer umfassenden Risikobewertung und Sanktionsprüfung.

Das Ausmaß der Herausforderung lässt sich am Corruption Perceptions Index (CPI) von Transparency International ablesen. Er zeigt länderspezifisch potentielle Korruptionsrisiken auf. 2017 erreichten Länder im Durchschnitt einen Wert von 43. Alle Länder unterhalb dieser Schwelle weisen ein verstärktes Risiko hinsichtlich Korruption, Geldwäsche und Bestechung auf. Geschäftspartner, die in diesen Risikobereich fallen, oder in Ländern ansässig sind, die einen Indexwert von unter 30 haben, prüfen wir bei Geschäftsabschlüssen besonders sorgfältig. Länder mit mittlerem Risiko haben einen CPI-Index-Wert zwischen 30 und 59.

Mindestens einmal jährlich führt Uniper eine weltweite Bewertung möglicher länderbezogener Risiken durch. Dazu zählen unter anderem Arbeitsbedingungen, die Verletzung politischer Rechte und bürgerlicher Freiheiten sowie Sicherheitsrisiken. Diese Risiken können Uniper direkt betreffen, wenn neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Die Bewertung beruht auf verschiedenen Wirtschafts- und Sozialindizes und stellt spezifische Anforderungen an die Sorgfaltspflicht sowie an Maßnahmen zur Risikominimierung. Das gilt insbesondere bei Verhandlungen mit neuen Partnern, die in Ländern mit mittlerem oder hohem Risiko tätig sind.

In Übereinstimmung mit unserem Verhaltenskodex wählen wir unsere Zulieferer in einem vorab festgelegten Verfahren nach objektiven und nachvollziehbaren Kriterien sowie unter Berücksichtigung ihrer Integrität aus. Unser Ziel ist es, nur mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die ihren Mitarbeitern einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz gewährleisten können. Außerdem müssen sie mindestens sicherstellen, dass Mitarbeiter Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen haben, sowie geeignete Maßnahmen für einen sicheren Arbeitsplatz treffen. Kinder- und Zwangsarbeit dürfen sie keinesfalls dulden.

Menschenrechte entlang unserer Wertschöpfungskette

Als weltweit agierender Konzern ist Uniper in einigen Ländern aktiv, in denen die staatlichen Institutionen schwach sind und die grundlegenden Menschenrechte daher nicht vollständig schützen können. Menschenrechtsverletzungen sind für eine Organisation, die ethisch und aufrichtig handelt, nicht hinnehmbar. Um zu verhindern, dass wir als Unternehmen einen Nutzen aus Menschenrechtsverstößen ziehen können, ist der Schutz der Menschenrechte fest in unseren Konzernrichtlinien und -prozessen verankert.

Moderne Sklaverei, unrechtmäßige Zwangsumsiedlungen sowie Zwangs- und Kinderarbeit kommen in Ländern, in denen der Schutz der Menschenrechte seit jeher unzureichend ist, grundsätzlich weiterhin vor. In Hochrisikoländern oder stabileren Ländern mit schwachen Institutionen kann es außerdem zu gewaltsamen Auseinandersetzungen sowie grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung kommen. Als eine unerwünschte indirekte Folge unserer Geschäftstätigkeit in diesen Ländern könnten sich solche Vorkommnisse insbesondere auf Geschäftsreisen negativ auf die Sicherheit von Mitarbeitern oder Vertragspartnern auswirken. Auch wenn diese Fälle selten sind, stellen sie ein Risiko dar. Dieses kann die Qualität der Prozesse beeinträchtigen, das Vertrauen in uns und unsere Geschäftspartner verringern, die Wahrscheinlichkeit für gerichtliche Auseinandersetzungen erhöhen, Projektverzögerungen nach sich ziehen, zu sozialen Unruhen beitragen und sich auf diese Weise letztlich auch negativ auf unsere Reputation auswirken.

Die Beschaffung von Kohle und Gas sowie der Handel mit diesen Rohstoffen können indirekte Auswirkungen auf Menschenrechtsfragen haben. Daraus ergeben sich potentielle Risiken für den Konzern. Weitere potentielle Risiken ergeben sich für uns auch, wenn wir Ingenieur- und Energiedienstleistungen in Regionen wie dem Nahen Osten, Zentral- und Südostasien sowie Nordafrika erbringen. Sollte es uns nicht gelingen, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Gefahren vorzubeugen, sie zu überwachen und einzudämmen, kann das Risikopotential erheblich zunehmen.

Um Risiken von Menschenrechtsverletzungen bei der Kohlebeschaffung zu minimieren, beteiligen wir uns an der Initiative „Bettercoal“. Diese gemeinnützige Initiative wurde von mehreren großen europäischen Energieversorgern gegründet und setzt sich global für eine verantwortungsvollere Kohlelieferkette ein. Bettercoal arbeitet weltweit mit den großen Kohleproduzenten im Rahmen eines speziellen Bewertungsprogramms zusammen. Ziel ist es, Bergbauunternehmen, insbesondere solche in Risikoländern, dabei zu unterstützen, die wirtschaftliche Entwicklung der lokalen Gemeinden und den Schutz der Menschenrechte zu fördern.

Herkunftsländer der Kohle für unsere europäischen Kraftwerke

Gesamt nach Ländern

Mio t

2017

Deutschland

1

Großbritannien

0,3

Kanada

0,1

Kolumbien

2,7

Mosambik

1

Norwegen

0,1

Russland

2,3

Südafrika

0,2

USA

1,2

Venezuela

0,1

Im März 2017 schloss sich Uniper gemeinsam mit verschiedenen Stakeholdern einer Bettercoal-Delegation in Bogotá und der Bergbauregion Cesar in Kolumbien an. Ziel war es, alle großen Kohlebergbauunternehmen der Region für den „Bettercoal Supplier Assessment Process“ zu gewinnen. Im April 2018 wurde ein zweiter Anlauf unternommen, um ein weitergehendes Engagement der Unternehmen zu erreichen und die Anforderungen an den Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte in Kolumbien anzupassen. Dank dieser Kampagnen wird voraussichtlich bis Ende des zweiten Quartals 2018 der überwiegende Teil der kolumbianischen Kraftwerkskohle von Lieferanten stammen, die durch Bettercoal bewertet wurden. Die Initiative leistet damit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung und zum Friedensprozess in diesen Regionen.

Seit dem Jahr 2017 führt Uniper regelmäßig Gespräche mit mehreren Nichtregierungsorganisationen, um mit Blick auf die Kohlelieferkette über Themen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu diskutieren. Die konzernweite Initiative zum Austausch mit internationalen Nichtregierungsorganisationen und lokalen europäischen Gruppen nahm im August 2017 ihren Anfang. Thema waren Menschenrechtsverletzungen in der kolumbianischen Kohleindustrie.

Um zum Thema Kohle alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, veranstaltete Uniper Benelux im Dezember 2017 den jährlichen „Dutch Dialogue on Coal“. Die Veranstaltung fand in Rotterdam statt und wurde von den wichtigsten Energieversorgern in den Niederlanden, dem Hafen von Rotterdam und dem Außenministerium gefördert. Der stellvertretende Botschafter Kolumbiens in den Niederlanden beendete die Plenarsitzung mit einem aktuellen Bericht über den Friedensprozess in seinem Land und einem Ausblick auf die Zeit nach dem Kohleabbau in den Bergbauregionen. Eine verstärkte Einbeziehung aller Stakeholder ist der erste Schritt, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Transparenter Handel

Wir verpflichten uns, offene Märkte und fairen Wettbewerb zu respektieren. Unsere Mitarbeiter haben möglicherweise Zugang zu vertraulichen Informationen über den Uniper-Konzern oder andere Unternehmen und deren Finanzinstrumente. Haben solche Informationen das Potential, die Preise von Aktien, Derivaten oder anderen Wertpapieren der Uniper-Gruppe oder die Wertpapierkurse fremder Unternehmen erheblich zu beeinflussen, könnten sie als sogenannte Insider-Informationen gelten. Diese unterliegen Handelsbeschränkungen in den verschiedenen Rechtsordnungen. Insider-Informationen sind unfair, da ein Anleger mit Insider-Informationen möglicherweise weit größere Gewinne erzielen kann als einer, der nicht über dieses Wissen verfügt.

Es ist unerlässlich, dass jeder Mitarbeiter die geltenden gesetzlichen Bestimmungen einhält. Wir möchten unsere Mitarbeiter dabei unterstützen, die Grundlagen der Insiderhandelsvorschriften der Europäischen Union besser zu verstehen und ihnen erklären, wie sie mit vertraulichen Informationen umgehen sollten. Aus diesem Grund haben wir konzernweite Richtlinien und Schulungen eingeführt.

Unser eLearning-Programm „Uniper Trading Compliance & Regulation“ legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Verbote und Pflichten sowie das von externen Vorschriften geforderte Verhalten unserer Mitarbeiter. Zu diesen Regelwerken zählen in der Europäische Union die „Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts“ (Regulation on Market Integrity and Transparency – REMIT) und die Marktmissbrauchsverordnung (Market Abuse Regulation – MAR). Ergänzt wird das eLearning durch einen Abschnitt zum Wettbewerbsrecht. Sowohl REMIT als auch MAR verbieten Insiderhandel und Marktmanipulation in den Märkten ihres jeweiligen Geltungsbereichs.

Transparenz in Interessenvertretungen

Die Energieversorgung ist ein stark reguliertes Geschäft und Gegenstand umfangreicher politischer Debatten, insbesondere im Hinblick auf den Klimaschutz. Europas Engagement zu diesem Thema verändert die Energieversorgungslandschaft grundlegend. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, brauchen wir ein politisches und regulatorisches Umfeld, das es uns ermöglicht, wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen. Eine angemessene Vertretung unserer Geschäftsinteressen ist für den erfolgreichen Betrieb unserer Anlagen und für unsere strategischen Vorhaben unerlässlich.

Wir führen einen intensiven Dialog mit verschiedenen externen Stakeholdern wie Regierungsstellen, politischen Parteien, Regulierungsbehörden und Wirtschaftsverbänden. Dieser Dialog ist uns wichtig, um mit Vertretern politischer Parteien und Institutionen offen und transparent zu kommunizieren und damit unsere Positionen zu erläutern. Beispielsweise sind wir mit unserem Informationsformat „Uniper im Dialog“ in Deutschland auf öffentlichen Veranstaltungen und Parteitagen vertreten, um Fragen zu unserer Geschäftstätigkeit zu beantworten. Unser Engagement in Interessenvertretungen halten wir jederzeit transparent. Nur so können wir den Verdacht einer unzulässigen Einflussnahme auf die Politik und damit zusammenhängende Reputationsschäden vermeiden.

Richtlinien, Kodizes, Mitgliedschaften

Unternehmensgrundsätze, -kodizes und -richtlinien bilden die Leitplanken für unsere politischen Beziehungen. Unsere Richtlinie für Stakeholder-Management definiert Rollen, Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege. Außerdem schreibt sie vor, dass Sponsoring-Maßnahmen vor Vertragsunterzeichnung durch die Konzernleitung freigegeben werden. Unser Verhaltenskodex enthält besonders strenge Vorgaben für Zuwendungen an Amts- und Mandatsträger.

Unipers Mitgliedschaften in wichtigen Verbände und Initiativen (2017)

Branche/Zweck

Bezeichnung (geografischer Einflussbereich)

Spanne der Zuwendungen
in € (pro Jahr)

 

Gas

 

 

Zukunft ERDGAS e. V. (Deutschland)

zwischen 1.600.000 und 1.700.000

Eurogas (europäisch und global)

zwischen 100.000 und 150.000

INES – Initiative Erdgasspeicher (Deutschland)

zwischen 20.000 und 40.000

IGU – International Gas Union (global)

zwischen 15.000 und 20.000

 

 

Kohle

 

 

Bettercoal (global)

zwischen 70.000 und 90.000

Coal Industry Advisory Board (CIAB) (global)

zwischen 10.000 und 15.000

Verein der Kohleimporteure (VdKi) (deutschlandweit)

unter 5.000

 

Technologie

 

 VGB PowerTech e.V. (europäisch)

zwischen 300.000 und 400.000

AGFW – Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.

zwischen 50.000 und 100.000

Hydrogen Europe (europäisch)

unter 20.000

DVGW – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (Deutschland)

zwischen 5.000 und 10.000

CO2 Value Europe (europäisch)

unter 20.000

EnerChain P2P Trading Project (europäisch)

unter 20.000

Klimaschutz

Sustainable Biomass Program (SBP) (europäisch)

zwischen 100.000 und 200.000

IETA (global)

unter 20.000

Innovationsforum Energiewende (Deutschland)

unter 15.000

Die Darstellung der Mitgliedschaften zeigt wichtige Verbände und Initiativen, die direkt oder indirekt in Beziehung zu unseren wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen stehen können. Die Beziehungen dieser Verbände und Initiativen können sehr unterschiedlich sein und lassen sich nicht immer eindeutig einzelnen Themen zuweisen. Dennoch sind diese Mitgliedschaften für unsere Arbeit im Bereich Nachhaltigkeit grundsätzlich relevant. Bei den Mitgliedschaften unterscheiden wir außerdem nach geografischem Fokus (global, europäisch oder deutschlandweit).

 

Uniper ist im EU-Transparenzregister eingetragen (Transparency Register Nr: 285977820662-03). Es verzeichnet Organisationen und unabhängige Personen, die Einfluss auf Entscheidungsprozesse innerhalb der Europäischen Union nehmen.

Den konzerninternen Austausch in Steuerangelegenheiten regeln wir mit unseren Group Tax Guidelines. Um die vollständige und fristgerechte Einhaltung aller Steuerauflagen sicherzustellen, ist die Steuerabteilung eng in die betrieblichen Aktivitäten und Prozesse der Managementeinheiten eingebunden.

Über Verbandsgremien und andere Mitgliedschaften beteiligen wir uns ebenfalls an politischen Prozessen. So sind wir im Verband europäischer Energiehändler (European Federation of Energy Traders – EFET) vertreten. Mitgliedschaften in Verbänden und vergleichbaren Organisationen sowie Spenden und andere Zuwendungen an diese sind vorab dem Uniper Corporate Office mitzuteilen. Anträge auf neue Mitgliedschaften müssen mit der Abteilung Political & Regulatory Affairs abgestimmt werden.

Seit 2017 unterstützen wir die UN SDGs. Das beinhaltet auch SDG 16 für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Wir wollen den Aufbau von wirksamen, rechenschaftspflichtigen und transparenten Institutionen auf allen Ebenen unterstützen.

1) Im Jahr 2017 wurden intern drei neue mutmaßliche Korruptionsfälle gemeldet. Zwei davon konnten wir abschließen, einer ist noch offen. Zum Jahresende 2017 standen aufgrund von zwei noch offenen Fällen aus dem Jahr 2016 insgesamt drei mutmaßliche Korruptionsfälle zur Untersuchung an.

2) Signifikante Bußgelder sind solche, die einen wesentlichen, direkten Einfluss auf die Finanzen des Unternehmens haben.