Gesundheit und Arbeitssicherheit

1,68

erfasste Unfälle von Mitarbeitern und Partnerfirmen pro 1 Mio Arbeitsstunden (Total Recordable Injury Frequency Index – TRIF)

1,18

unfallbedingte Arbeitszeitausfälle für Mitarbeiter und Vertragspartner pro 1 Mio Arbeitsstunden (Lost Time Injury Frequency Index – LTIF)

30.198

Meldungen unsicherer Situationen durch Uniper-Mitarbeiter im Berichtsjahr

247

Teilnehmer am interaktiven Workshop- und Schulungsprogramm für Führungskräfte

25,4 %

weniger durchschnittliche Ausfalltage pro Unfall gegenüber dem Vorjahr

1

tödlicher Unfall in einem unserer russischen Kraftwerke

Gesunde Mitarbeiter für ein starkes Unternehmen

Hohe Temperaturen und Drücke, schnell drehende Turbinen oder Starkstrom – Energie zu erzeugen und zu speichern bedeutet Kräfte zu beherrschen. Und das möglichst sicher. Die damit verbundenen Sicherheitsfragen können von unseren Mitarbeitern durchaus unterschiedlich interpretiert werden. Und auch von Land zu Land unterscheiden sich Vorgehensweise und Standards. Konzernweit haben wir bei Uniper eine klare Botschaft: Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Vernachlässigen wir deren Sicherheit und Gesundheit, gefährden wir auch unsere Geschäftstätigkeit. Das Gleiche gilt für Beschäftigte unserer Geschäftspartner sowie für Besucher und Nachbarn unserer Standorte. Unser Anspruch ist hoch: sehr gute Leistung im Gesundheitsschutz und bei der Arbeitssicherheit.

Deshalb haben wir eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung etabliert. Die höchste Priorität hat die Vermeidung von Unfällen. Damit verhindern wir in erster Linie gesundheitliche Beeinträchtigungen, aber darüber hinaus auch unnötige Kosten durch Betriebsunterbrechungen und Ausfallzeiten. Wir halten die hohen Standards auch deshalb ein, um Genehmigungen für unsere operativen Tätigkeiten nicht zu gefährden. Diese Standards sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Verträge mit unseren Geschäftspartnern.

Umfassendes HSSE-Management

Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit ist Teil unseres konzernweiten HSSE-Managements (Health, Safety, Security, Environment – HSSE). Dabei verfolgen wir den Anspruch, allen Menschen an unseren Arbeitsplätzen ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld zu bieten und Unfällen vorzubeugen. Unser HSSE-Management gilt sowohl für den Bau und Betrieb unserer Anlagen (zum Beispiel Kraftwerke, Erdgasspeicher, Gastankstellen) als auch für unsere Büroarbeitsplätze. Es basiert auf klaren Strukturen und eindeutig definierten Prozessen, die Verantwortlichkeiten, Leitlinien und Hilfestellungen sowie konkrete Schritte für die kontinuierliche Verbesserung festlegen. Unser HSSE-Team unterstützt unsere gesamte Organisation und alle Mitarbeiter dabei, unsere Arbeitssicherheits- und Gesundheitsanforderungen in ihre strategischen und operativen Pläne, geschäftlichen Entscheidungen sowie die alltägliche Praxis zu integrieren. Jährlich werden Ziele und Verbesserungsprogramme festgelegt, die regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Auf diese Weise bringen wir den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung stetig voran. Dabei berücksichtigen wir, dass sich unsere Organisation stetig wandelt, die Belegschaft älter wird und Arbeitsplätze zunehmend flexibel gestaltet werden.

Von unseren Beschäftigten, den Vorgesetzten und unseren Geschäftspartnern erwarten wir, dass sie alle gleichermaßen unsere hohen Ansprüche umsetzen. Hierbei unterstützen wir sie mit Leit- und Richtlinien, Standards und Managementsystemen. Die HSSE-Managementsysteme der operativen Uniper-Bereiche und ‑Tochtergesellschaften sind überwiegend nach dem international anerkannten Standard OHSAS 18001 für Arbeits- und Gesundheitsschutz zertifiziert (Occupational Health and Safety Assessment Series).

Abdeckung OHSAS 18001

in %

Deutschland

100

Frankreich

100

Großbritannien

100

Niederlande

100

Russland

Schweden

100

Ungarn

100

Die Tabelle beinhaltet nur konsolidierte Anlagen. Sie beinhaltet keine Anlagen in Belgien (Langerlo veräußert im Januar 2016; Vilvoorde in strategischer Reserve und nicht in Betrieb), stillgelegte Anlagen oder Verwaltungsgebäude.

Unser konzernweites HSSE-Management ist außerdem Bestandteil eines integrierten Asset- & HSSE-Managementsystems, das auch Anlagen- und Betriebssicherheit umfasst. Derzeit sind wir dabei, dieses Managementsystem weiterzuentwickeln, indem wir konzernweit relevante Prozesse und Systeme zusammenführen. Dabei ist uns besonders wichtig, dass unsere Organisationsstruktur stets nach oben und unten für wichtige Informationen durchlässig ist. Wir handeln hierfür sowohl nach dem Top-down-Prinzip, beispielsweise wenn wir Richtlinien umsetzen, als auch dem Bottom-up-Ansatz, etwa wenn unsere Mitarbeiter ihren Vorgesetzten über Sicherheitsanliegen berichten.

Verantwortung vorleben

Wo auch immer wir tätig sind – jeder, der für Uniper arbeitet, ist verantwortlich für Gesundheit und Arbeitssicherheit. Vor allem eines ist uns wichtig: Wir müssen Unfälle schon im Ansatz verhindern. Sämtliche Mitarbeiter aller Führungsebenen tragen hierfür sowohl individuelle als auch kollektive Verantwortung. Von jeder Führungskraft erwarten wir, dass sie mit gutem Beispiel vorangeht.

Im Bereich Gesundheit und Arbeitssicherheit übernimmt unsere HSSE-Funktion eine Schlüsselrolle. Sie berät und unterstützt den Vorstand bei der Entwicklung der HSSE-Strategie sowie dem Erlass entsprechender Richtlinien und Vorgaben. Darüber hinaus berichtet sie über unsere H&S-Aktivitäten und -Leistungen. HSSE unterstützt die anderen Uniper-Funktionen bei der Umsetzung und Überwachung der HSSE-Vorgaben sowie bei deren Bericht über ihre HSSE-Leistung. Dieser ist Teil der Quarterly Performance Dialogs (QPD), in deren Rahmen die Uniper-Funktionen dem Vorstand über ihre Leistung in allen relevanten Feldern berichten. Ebenso koordiniert die HSSE-Funktion im HSSE-Consultative-Council einen Dialog mit den Vertretern der operativen Funktionen und dem Betriebsrat. Hier informiert sie über aktuelle Vorhaben und Entwicklungen, nimmt aber auch Hinweise und Erwartungen der internen Stakeholder zum HSSE-Management entgegen.

Uniper HSSE-Organisation

Für unser HSSE-Management haben wir Grundsätze und Mindestanforderungen definiert, die für unsere gesamte Wertschöpfungskette gelten.

Uniper-Konzernrichtlinie HSE

Unsere Uniper-Konzernrichtlinie HSE legt fest, Risiken so gering wie möglich zu halten, legale Auflagen einzuhalten und diese wenn möglich zu übertreffen. Außerdem verpflichten wir uns, unsere H&S-Leistung laufend zu verbessen. Sie gilt ebenso für unsere Beschäftigten wie für Lieferanten und Geschäftspartner sowie deren Mitarbeiter.

Uniper-Grundsatzerklärung zu Gesundheit, Sicherheit und Umwelt

Mit der Uniper-Grundsatzerklärung zu Gesundheit, Sicherheit und Umwelt haben wir uns eine konkrete Selbstverpflichtung auferlegt. Vorstand und Betriebsrat haben sie unterzeichnet. Sie bekennen sich damit dazu, die Gesundheit unserer Beschäftigten aktiv zu fördern und „null Verletzungen“ anzustreben.

 

HSE-Management-System-Framework

 

 

Das Management-System-Framework gibt den Rahmen für ein effektives HSE-Management vor: Es legt verpflichtende Anforderungen an die Inhalte und Zertifizierung der HSE-Managementsysteme fest und gibt darüber hinaus Empfehlungen. Unsere grundlegenden Elemente für eine gute HSE-Performance basieren auf internationalen Standards für HSE-Managementsysteme (OHSAS-18001, ISO 14001 bzw. EMAS) und Best-Practice-Erkenntnissen der Industrie.

Aufmerksamkeit erhöhen – Wissen vermitteln

Unser HSSE-Management kann nur wirksam sein, wenn die Mitarbeiter aller Ebenen sich der Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ihrer Tätigkeit und ihres Verantwortungsbereichs bewusst sind. Sie müssen verstehen, wie sie diese Risiken beherrschen können. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen sie die entsprechenden Maßnahmen und Verhaltensweisen konsequent umsetzen. Da wir überzeugt sind, dass Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit Führungsaufgaben sind, beginnen wir damit ganz oben. Wir bieten gezielt Workshops zur Steigerung des Bewusstseins für HSSE-Risiken und deren Umsetzung für unsere Führungskräfte an. Darüber hinaus veranstalten wir zahlreiche Unterweisungs-, Schulungs- und Kommunikationsmaßnahmen für unsere Mitarbeiter sowie die Beschäftigten von Partnerunternehmen.

2016 führten wir ein speziell für Führungskräfte entwickeltes interaktives HSSE-Workshop- und Schulungsprogramm durch. Ziel war es, Führungskompetenzen für den Bereich HSSE aufzubauen. 247 Führungskräfte – darunter alle Vorstandsmitglieder – beteiligten sich im Laufe des Jahres an den Maßnahmen. Das Programm ist die Grundlage für eine ganze Reihe weiterer HSSE-Aktionen für Führungskräfte im Rahmen unserer Verbesserungsprogramme 2017 bis 2019.

Neues HSSE-Selbstverständnis

Für Uniper als neues Unternehmen haben wir uns vorgenommen, ein neues HSSE-Selbstverständnis zu entwickeln. Dieses schließt auch Elemente der neuen Unternehmenskultur, beispielsweise den „Uniper Way“ mit ein. Im ersten Schritt haben wir dazu im Frühjahr und Sommer 2016 eine Reihe von Workshops mit Mitarbeitern aus verschiedenen Funktionen und unterschiedlichen Regionen durchgeführt. Ziel war es, nach der Neuausrichtung einen frischen Blick auf unsere HSSE-Themen zu erhalten. Auf dieser Basis haben wir unser neues grundsätzliches und Uniper-spezifisches HSSE-Selbstverständnis entwickelt, das schließlich in dieser vorläufigen Aussage zusammengefasst werden konnte:

  • Wir arbeiten immer sicher
  • Wir achten auf die Gesundheit der Menschen
  • Wir schützen unsere Mitarbeiter und unsere Anlagen
  • Wir handeln verantwortungsvoll, um unsere Umweltauswirkungen zu verringern

Gemeinsam mit unserem Kommunikationsteam konkretisiert die HSSE-Abteilung derzeit dieses neue Selbstverständnis und arbeitet an der strategischen Umsetzung sowie seiner Verbreitung im Unternehmen.

Gesundheitsstrategie weiter ausbauen

Der demografische Wandel wirkt sich auch auf die Belegschaft von Uniper aus. Um einerseits die Arbeitsfähigkeit bei zunehmendem Altersdurchschnitt zu erhalten und andererseits stressbedingte Einflüsse zu verringern, haben wir 2016 begonnen, unser Gesundheitsmanagement neu auszurichten. Dazu haben wir Anfang des Jahres zunächst die bestehenden Instrumente und Initiativen unseres Gesundheitsmanagements überprüft. Wir stellten fest, dass wir eine effizientere Struktur und gezieltere Kommunikation für wirksame Gesundheitsmaßnahmen benötigen. Daraufhin entwickelte das Gesundheitsteam einen strategischen Ansatz für ein konzernweites Gesundheitsmanagement, der Ende 2016 vom Vorstand verabschiedet wurde. Dadurch haben wir einen belastbaren Rahmen geschaffen, der die vielfältigen Instrumente und Programme zusammenführt und erweitert.

Auch künftig werden wir unseren Beitrag dazu leisten, die Gesundheit unserer Mitarbeiter aktiv zu fördern. Wir haben uns deshalb für 2017 das Ziel gesetzt, die Vielzahl unserer Gesundheitsangebote verstärkt in regelmäßigen Abständen zu kommunizieren. Dazu wird es auf der internen Uniper-Social-Media-Plattform den Bereich „Gesundheit“ auf der HSSE-Seite geben. Dort werden alle Angebote zentral gebündelt und übersichtlich nach Themen geordnet dargestellt. Darüber hinaus planen wir, sowohl landesspezifische als auch Uniper-weite Gesundheitsaktionen durchzuführen. Das Themenspektrum reicht von der Darmkrebs-Früherkennung, über „Resilienz“ bis hin zur jährlichen Grippeschutzimpfung.

 

Pilotprojekte an Kraftwerks- und Verwaltungsstandorten

Im Laufe des Jahres 2016 wurde an den Uniper-Standorten eine Vielzahl von Gesundheitsmaßnahmen umgesetzt. Das Spektrum reichte von Vorträgen zu verschiedenen Gesundheitsthemen bis hin zu Gesundheitschecks. In Großbritannien wurden Gesundheitstage mit Stressmanagement-Workshops und weitergehenden Informationen zum Thema Gesundheitsförderung angeboten. In Deutschland wurden zum Jahresende Grippeschutzimpfungen durchgeführt. An unseren Verwaltungsstandorten, etwa in Düsseldorf, luden wir unsere Mitarbeiter 2016 weiterhin ein, sich im hauseigenen Fitnessstudio zu betätigen, Bewegungskurse in Anspruch zu nehmen oder das angebotene Physiotherapieprogramm zu nutzen. Unter anderem in Deutschland und Großbritannien hat Uniper zudem externe Beratungsinstitute unter Vertrag. Dort können sich unsere Mitarbeiter in gesundheitlichen Fragen persönlich oder telefonisch – und natürlich vertraulich – an die jeweiligen Experten wenden.

Außerdem starteten wir mit zwei Pilotprojekten: Dazu gehört zum einen die Teilnahme an einem 15-minütigen Bewegungs-, Kraft- und Entspannungstraining, das unter Anleitung einer professionellen Trainerin direkt am Arbeitsplatz stattfindet. Zum anderen fokussieren wir das Thema gesunde Ernährung. In Kooperation mit einem regionalen Obstlieferanten platzieren wir einmal wöchentlich in unseren Erfrischungsbereichen Körbe mit frischem, saisonalem Obst, an denen sich unsere Mitarbeiter frei bedienen können.

Hilfestellung für Vertragspartner

Die Mitarbeiter unserer Auftragnehmer erleiden häufiger Unfälle als unsere eigenen Beschäftigten. Um zu helfen, dies zu vermeiden, haben wir ein spezielles Programm zum Partnerfirmenmanagement aufgelegt. Es basiert auf bestehenden Verfahren, Anforderungen und „Best Practice“ und ist Bestandteil unseres HSSE-Verbesserungsplans 2017 bis 2019. 2016 führten wir unternehmensweit Workshops zu Management und Einbindung von Partnerfirmen durch. Dabei konzentrierten wir uns zunächst auf unseren Kraftwerksbereich in Europa und Russland. Die Workshops erhielten durchweg positive Rückmeldungen – sowohl von den Führungskräften als auch von den Mitarbeitern der Standorte. Die Teilnehmer sahen sie als geeigneten Rahmen, um Verbesserungspotenziale in Schlüsselprozessen aufzuzeigen. Die aktive Teilnahme von Mitarbeitern aus dem Einkauf, die in den Prozessen um das Partnerfirmenmanagement eine entscheidende Rolle spielen, hat wesentlich zum Erfolg der Workshops beigetragen. 2017 werden die Workshops fortgesetzt. Außerdem haben wir gemeinsam mit dem operativen Geschäft und unserem Einkauf beschlossen, eine Uniper-übergreifende Gruppe einzurichten, die allgemeine Erkenntnisse über Verbesserungen sowohl auf Standort- als auch regionaler Ebene einbringt.

Aus Erfahrung lernen

Aus Ereignissen wie Unfällen oder Beinahe-Unfällen zu lernen, ist für uns ein entscheidender Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung unseres HSSE-Managements. Ein wirkungsvolles System, durch das wir aus den Ereignissen lernen, macht unerwünschte Vorkommnisse zu Chancen für Verbesserungen. Ein solches System muss sicherstellen, dass alle Vorfälle berichtet sowie bewertet werden und Untersuchungen mit angemessenem Aufwand durchgeführt werden. Bei Uniper haben wir entsprechende Prozesse und Verfahren entwickelt, wie Ereignisse gemeldet, bewertet und berichtet werden. Dazu gehört auch, wie wir durch unsere „HSE Alerts“ schnellstmöglich über unmittelbare Gefahren informieren. Wir untersuchen jeden Unfall oder Beinahe-Unfall mit Potenzial für einen schweren Unfall. Umfang, Aufwand und Methode richten sich dabei nach dem jeweiligen Risiko, das mit dem Ereignis verbunden ist. Hier geht es allerdings nie um Schuldzuweisungen, sondern stets darum, die Fakten zu ermitteln, direkte sowie grundlegende Ursachen zu analysieren und schließlich daraus Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten. Die Erkenntnisse der Untersuchungen stellen wir unternehmensweit zur Verfügung. Für schwere Unfälle oder Vorfälle mit hohem Potenzial für einen schweren Unfall gelten besondere Anforderungen. Sie müssen grundsätzlich mit systematischen Ermittlungsmethoden bis auf die grundlegenden Ursachen (Root Cause Analysis) untersucht werden.

Unfallanalyse mit BSCAT

Ein Unfallrisiko erkennen und die Ursachen ausschalten – das ist leichter gesagt als getan. Für schwere Unfälle und Vorfälle mit hohem Potenzial verwendet die Uniper-Erzeugungsflotte daher das softwaregestützte BSCAT-Verfahren (Barrier based Systematic Cause Analysis Technique). Dieses Verfahren zur Untersuchung und Analyse von Vorfällen beruht auf anerkannten Ursache-Wirkungs-Modellen und Methoden der Ursachenanalyse. Im Ursache-Wirkungs-Diagramm (Bow Tie) werden mögliche „Barrieren“ identifiziert, die das Auftreten des Vorfalls verhindern beziehungsweise seine Auswirkungen vermindern könnten. Das Fehlen oder Versagen dieser Barrieren wird daraufhin ermittelt und einer systematischen Ursachenanalyse mithilfe der SCAT-Methode unterzogen.

Auf Grundlage dieser Analysen lassen sich wirkungsvolle Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen entwickeln und umsetzen. Sie verhindern, dass der Vorfall ein erneutes Mal auftritt und verbessert das HSSE-Management insgesamt. Die Erkenntnisse und Erfahrungen fassen wir in Informationsblättern zusammen und stellen sie unseren Mitarbeitern vierteljährlich auf unserer Wissens- und Lernplattform zur Verfügung.

Baukasten „Destination Zero“

„Null Unfälle“ – um da hinzukommen, müssen wir alle Mitarbeiter mitnehmen. Der Baukasten „Destination Zero“ beruht auf langjähriger Erfahrung und bietet eine Reihe praxisnaher Instrumente als Hilfestellung an – darunter beispielsweise einen Fragebogen, mit dem sich die Sicherheitskultur an Standorten prüfen lässt oder ein einfaches Tool zur Untersuchung von Vorfällen.s.

Broschüre „The Right Way“

Grau ist alle Theorie. Deshalb stellte das HSSE-Team 64 unterschiedliche Arbeitssituationen in einer Broschüre nach, bei denen es zu echten Vorfällen gekommen ist. Sie ist unternehmensweit verfügbar und zeigt, wie man sich an seinem Arbeitsplatz richtig verhält – und zwar „ohne Worte“, also nur durch Bilder!

Instrument „Safety Walk & Talk“

„Safety Walks and Talks“ sind Rundgänge, die Führungskräfte an einzelnen Standorten durchführen, um mit den Mitarbeitern ins Gespräch zum Thema Arbeitssicherheit zu kommen. Auf diese Weise gewinnen sie ein Bild über die Arbeitsbedingungen und ‑aktivitäten – unabhängig davon, ob es sich hierbei um Kollegen, externe Auftragnehmer oder Vorgesetzte handelt. Das bietet der Führungskraft die Gelegenheit, ihr persönliches Bekenntnis zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sichtbar zu machen, aber auch ganz konkret Feedback – ob positiv oder negativ – zu geben sowie Verbesserungsmaßnahmen anzuregen und zu vereinbaren. Um den Führungskräften eine strukturierte Vorgehensweise für diese Rundgänge zu erleichtern, stellt das HSSE-Team ihnen „Safety Walk & Talk“-Karten als Checklisten zur Verfügung. Sie helfen außerdem, die Verbesserungen zu dokumentieren.

H&S-Leistungen transparent berichten

Um unsere Leistung bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz kontinuierlich zu verbessern, haben wir Leistungsindikatoren definiert. Dabei verfolgen wir unsere Unfallindikatoren rückblickend mit dem Fokus auf unsere Performance (Lagging Indicators) sowie vorausblickend mit dem Fokus auf Trends (Leading Indicators). 2016 haben wir uns hierfür an dem Erfüllungsgrad unseres HSE-Verbesserungsplans orientiert. Wir berichten und überwachen die Entwicklung der Indikatoren regelmäßig. Außerdem legen wir spezifische Ziele für die unterschiedlichen Einheiten und Funktionen bei Uniper fest.

Zentrales internes Berichtsinstrument für das Unfallgeschehen ist der HSSE-Monatsbericht. Er informiert ausführlich über Unfälle und die Unfallstatistik auf Konzern- sowie Länderebene. Darüber hinaus erfüllt er bestimmte Berichtspflichten. Neben der Berichterstattung von Unfallzahlen legt Uniper auch großen Wert auf die offene Kommunikation und Auswertung von Beinahe-Unfällen sowie die Beobachtungen unsicherer Situationen. Wir wollen Gefahrenquellen frühzeitig erkennen. Nur so können wir sie analysieren und beseitigen, bevor es zu einem Unfall kommen kann. 2016 konnten wir die Kultur der Berichterstattung über unsichere Situationen und in einigen Regionen von Beinahe-Unfällen sowie leichteren Unfällen deutlich verbessern. So stieg etwa in Russland die bereits hohe Anzahl an berichteten sicherheitsrelevanten Beobachtungen im Jahresverlauf um weitere zehn Prozent.

Leider werden diese positiven Entwicklungen von einem tödlichen Unfall überschattet, der sich im Januar 2016 in unserem Kraftwerk im russischen Surgutskaya ereignete. Ein 26-jähriger Mitarbeiter einer Partnerfirma stürzte aus 28 m Höhe ab und verletzte sich tödlich. Entsprechend unseren internen Regeln wurde dieser Unfall von einem qualifizierten sowie unabhängigen Team gründlich untersucht und analysiert. Die Ergebnisse und Erkenntnisse wurden kommuniziert und Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt. Unter anderem hat eine Uniper-weite Schweigeminute am 1. Februar 2016 unsere Anteilnahme und Betroffenheit deutlich gemacht.

Die Unfallkennzahlen, aber auch die Fortschritte hinsichtlich unserer jährlichen HSSE-Ziele berichten wir in unseren internen Monats- und Quartalsberichten. Sie werden dem Vorstand und anderen Führungskräften gemeinsam mit den finanziellen und nicht finanziellen Leistungskennzahlen des jeweiligen Bereichs vorgestellt. Die Erreichung der HSSE-Ziele, also sämtliche Unfallkennzahlen und der Umsetzungsgrad des HSSE-Verbesserungsplans, fließen direkt in die variable Vergütung der Uniper-Führungsebene ein.

1,68

TRIF

Der TRIF (Total Recordable Injury Frequency Index) misst die Gesamtzahl aller erfassten Unfälle von Uniper-Mitarbeitern und Partnerfirmen pro 1 Mio Arbeitsstunden. Für festgelegte Bereiche unseres Unternehmens werden TRIF-Werte als Zielwert formuliert, im Jahresverlauf gemessen und verfolgt. Mit einem Wert von 1,68 für Uniper liegen wir bei dieser anspruchsvollen Kennzahl deutlich unter den in den Vorjahren erreichten Werten, wenn auch ein direkter Vergleich aufgrund der Ausgliederung in ein neues Unternehmen nicht möglich ist.

TRIF Mitarbeiter

1,24  

TRIF Vertragspartner

2,23

TRIF kombiniert

1,68

1,18

LTIF

Die Kennzahl LTIF (Lost Time Injury Frequency Index) misst die Häufigkeit der unfallbedingten Arbeitszeitausfälle von Mitarbeitern und Vertragspartnern pro 1 Mio Arbeitsstunden. Diese Kennzahl stellt geringere Anforderungen an die Berichtskultur von Unternehmen als der TRIF, wird aber dennoch von vielen Unternehmen gemessen und publiziert. Uniper liegt mit 1,18 beim LTIF im Vergleich zu früheren Werten und im Vergleich zur Branche auf sehr gutem Niveau. Doch eigentliches Ziel ist und bleibt natürlich die Vermeidung aller Unfälle.

LTIF Mitarbeiter

0,83  

LTIF Vertragspartner

1,62

LTIF kombiniert

1,18

Die TRIF- und LTIF-Angaben beziehen sich auch auf Unternehmen, die nicht voll konsolidiert sind, aber von Uniper operativ gesteuert werden. Die kombinierten Werte schließen eigene Mitarbeiter und Vertragspartner ein.

Der Umsetzungsgrad unseres HSE-Verbesserungsplans wird sowohl Uniper-weit als auch für einzelne definierte Geschäftslinien regelmäßig gemessen. Zum Jahresende ergab sich Uniper-weit ein Wert von 94 % mit einer Spanne von 85 bis 95 % für die Geschäftslinien. Angesichts eines sehr anspruchsvollen ersten Jahres als neues Unternehmen, sind wir mit dieser Leistung zufrieden, streben aber für 2017 eine Verbesserung an.

Geprüfte Inhalte

Ausgewählte Kennzahlen, die einer betriebswirtschaftlichen Prüfung unterzogen wurden, sind mit einem Symbol   gekennzeichnet.
Qualitative Inhalte der Managementansätze waren ebenfalls Bestandteil der betriebswirtschaftlichen Prüfung.

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